Zum Buch:
Ein Dorf während des Zweiten Weltkrieges in Belgien gibt als Schauplatz dieses Romans die Bühne ab für die Entwicklung von Charakteren, die alles mitbringen, was Material für die Reflexion von moralischen Dilemmata bietet. Freunde stehen auf den entgegensetzen Seiten – Ward geht zur SS und kämpft auf der deutschen Seite an der Ostfront, sein Freund Jeff wird nach dem Krieg als Widerstandsheld geehrt, obwohl er sich dagegen sträubt. Dieser junge Mann gehört zu der Familie, die im Mittelpunkt des Geschehens steht: Die Tochter Renée verliebt sich in den späteren SS-Mann, den besten Freund ihres Bruders. Der kleine Bruder der beiden verehrt die beiden jungen Männer und spricht sich mit seiner Schwester immer wieder aus. Die Eltern versuchen sich aus allem herauszuhalten und sind nach dem Krieg froh, dass ihr Sohn als Held verehrt wird.
Die Musik verbindet alle, die Blaskapelle des Dorfes ist ihr soziales Zentrum, hier kommen die immer schroffer feindlichen Männer zusammen – und Renée, deren Talent zum Trompete spielen sich entfaltet.
Die Autorin Els Beerten wechselt häufig die Zeiten der Handlung und zeigt so, wie erst die nachträgliche Erzählung aus all den menschlichen Projektionen, Zwängen und Hoffnungen eine Geschichte macht. Aus der Vielzahl der Perspektiven, Erfahrungen, Werthaltungen der anderen, die um diese beiden herum leben, bezieht diese Geschichte einer unglücklichen Freundschaft zwischen zwei jungen Männern, die am Ende nicht gut ausgehen kann, ihre beeindruckende Menge an offenen Fragen – Fragen, die sich auch heutigen Menschen stellen. Sie beschäftigen sich mit Zuneigung, Loyalitäten, Zwängen, Treue und Ehrlichkeit gegenüber Gruppen und Menschen. Aber diese Fragen werden sehr klar in die spezifischen Bedingungen des Zweiten Weltkrieges in Westeuropa mit ihren Angeboten und Fallen von Kollaboration und Widerstand gestellt.
Vom Verlag als Jugendbuch angeboten, ist dieser beeindruckende Roman für alle LeserInnen ab etwa 15 Jahren zu empfehlen
Gottfried Kößler, Frankfurt am Main